Berliner Blick




Traurigkeit kostet Geld

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Studie: Betrübte neigen zu Fehlentscheidungen im Beruf

Gefühle beeinflussen den Geldbeutel, meinen Wissenschaftler der Harvard Kennedy School of Government http://www.hks.harvard.edu . Denn Emotionen beeinträchtigen unsere rationalen Entscheidungen mehr, als man landläufig glaubt. Anhand einer Studie konnten die Forscher belegen, dass Menschen in einem Zustand von Traurigkeit weniger Geld verdienen als Menschen in einer neutralen Stimmung. Trauer lasse die Menschen kurzsichtige Entscheidungen im Geschäftsleben treffen, haben die Forscher herausgefunden.

Belastung trübt kognitive Fähigkeiten

Woher die Emotionen kommen, ist nicht wesentlich für die Fehlentscheidungen. "Grundsätzlich spielt es keine Rolle, woher die belastenden Gefühle stammen. Fakt ist, dass Menschen, die sich in einer emotional belastenden Situation befinden, nicht mehr über ihre absoluten kognitiven Fähigkeiten verfügen", sagt Tobias Nitzschke, Wirtschaftspsychologe und Geschäftsführer des Mediationsbüros Deutschland http://www.mediationsbuero-deutschland.de , gegenüber pressetext.

Ist ein Mensch in seinem Emotionshaushalt belastet, gerate er in einen kognitiven Nebel, meint Nitzschke. "Dann laufen nur drei archaische Programme ab: Angriff, Totstellen oder Flucht", sagt Nitzschke. Den Personen ist häufig gar nicht bewusst, dass sie in ihren vermeintlich rationalen Entscheidungen im Job von ihren Emotionen beeinflusst sind. Unser Gefühlszentrum ist verbunden mit dem Neokortex, der für das rationale Denken verantwortlich ist. "Man kann Rationalität und Gefühle nicht trennen, die Gehirnzentren sind mit zig Nervenbahnen verbunden", sagt der Wirtschaftspsychologe.

Ratsam sei in einer emotional angespannten Situation, eine wichtige Entscheidung im Job zu verschieben. Wenn das Vertagen nicht möglich ist, sei es hilfreich, die Emotionen auszusprechen. "In diesem Moment aktivieren wir durch das In-Worte-fassen unsere Gefühle und sind dann in der Lage, aus dem kognitiven Nebel herauszutreten." Aber häufig sei uns gar nicht bewusst, dass wir aus dem Bauch heraus entscheiden. "Wenn uns jemand auf dem Weg zur Arbeit im Straßenverkehr schneidet, regt uns das auf. Im Büro angekommen, fühlen wir uns irgendwie gereizt. Wir nehmen aber nicht wahr, dass unsere Stimmung durch den Arbeitsweg erzeugt wurde", erklärt Nitzschke. Die emotionale Belastung ist im Gehirn in diesem Fall messbar - der betroffenen Person aber nicht bewusst.


aktualisiert am 21. 11. 2012