Berliner Blick




Pestizid-Alarm bei Obst und Gemüse

©(Helmut Burtscher)

Bio-Produkte und Selbstverpflichtung der Landwirtschaft gefordert

Konsumenten, die gerne Obst und Gemüse essen, sind laut der Umweltschutzgruppe Global 2000 potenziell bis zu 30 verschiedenen Pestizidrückständen ausgeliefert. Die in Zusammenarbeit mit Pesticide Action Network Europe präsentierte Studie basiert auf dem Pestizid-Monitoring-Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit 70.000 Datensätzen. Diese ist laut dem Biochemiker Helmut Burtscher "alarmierend".

Cocktail unbestimmter Richtung

Salat, Tomaten, Gurken, Äpfel und Lauch sind laut Global 2000 am meisten mit hormonell wirksamen Pestiziden verunreinigte Lebensmittel. "Die durchschnittlichen Belastungen liegen zwischen 600 Mikrogramm per Kilogramm Äpfel und 1.300 beim Salat", erklärt Burtscher gegenüber pressetext und zieht einen Vergleich zur Antibaby-Pille. "Dort sind es maximal 200 Mikrogramm mit eindeutiger Absicht, bei belastetem Obst und Gemüse aber ein ganzer Cocktail unbestimmter Richtung." Von diesen endokrinen Disruptoren sind laut dem Umweltmediziner Hans-Peter Hutter viele kritische medizinische Endpunkte betroffen.

"Es fehlt an der Problemwahrnehmung und folglich am Risikomanagement", diagnostiziert Hutter. Noch immer erlaube die EU statt einer kumulierten Gesamtbelastung dieser Giftstoffe einzelne Grenzwerte. "Dazu gesellen sich aber auch noch die Weichmacher in Kunststoffen hinzu", erinnert der Umweltmediziner. Folgen für die Konsumenten: verminderte Zeugungsfähigkeit, mehr hormonabhängige Tumore, auffällige Verhaltensänderungen und Stoffwechselstörungen. "Die Datenlage reicht, um medizinische Forderungen zu begründen", so Hutter.

Aufschrei nötig

Bio-Produkte wären laut Burtscher für Konsumenten eine Alternative, Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform "nur kurzfristig". Global 2000 fordert darüber hinaus eine "eindeutigere EU-Politik ohne Schlupflöcher" und hierzulande eine freiwillige Selbstverpflichtung der Landwirtschaft im Rahmen von ÖPUL http://bit.ly/N2lk4V , dem österreichischen Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft. "Es braucht endlich einen Aufschrei", resümiert Burtscher.

Durch das Analysegerät "LC Triple Quadrupole MS", von dem weltweit erst wenige existieren, werden laut Michael Gartner, Geschäftsführer LVA GmbH http://lva.at , Untersuchungen mit der QuECheRS-Methode auch für biologisch angebaute Lebensmittel interessant, einem Weltmarkt von geschätzten 44 Mrd. Euro. Die QuECheRS-Methode ist ein schnelles Verfahren zur Bestimmung von Rückständen an Pflanzenschutzmitteln im Essen mit einem Fettgehalt bis zu fünf Prozent. Statt zwei Tagen werden nur mehr zwei Stunden benötigt.

Schnellere Analysen

Sowohl Umfang der Extraktionsmöglichkeiten als auch deren Empfindlichkeit würden ebenso zunehmen. "Mit der QuECheRS-Methode können sowohl apolare wie auch polare und mittelpolare Pestizide erfasst werden, die häufig die alten verbotenen Wirkstoffe ersetzen", erklärt Gartner. "Und mit der Triple-Quadrupole-Technologie, die sowohl bei Gas- als auch Flüssig-Chromatographie-Geräten zur Verfügung steht, finden wir künftig statt 400 rund 650 nachweisbare Wirkstoffe."


Mehr Informationen:

http://disruptingfood.info

Ein Beitrag von: www.pressetext.com

aktualisiert am 03. 11. 2012